Die fünf bekanntesten Käse Frankreichs
Die fünf bekanntesten Käse Frankreichs
Frankreich ist das Käseland schlechthin. Aber fünf Käse stechen heraus – nicht weil sie die besten sind, sondern weil sie Geschichte geschrieben haben.
Über 1.000 verschiedene Käsesorten kennt Frankreich. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Aber fünf Käse haben Weltgeschichte geschrieben – sie stehen für das, was Frankreich als Käseland ausmacht: Handwerk, Herkunft und Jahrhunderte gelebter Tradition. Ich stelle sie dir hier vor, so wie ich sie als Käse-Sommelier mit 25 Jahren Erfahrung kenne.
Camembert de Normandie
Kein Käse ist weltweit bekannter. Und kein Käse wird häufiger missverstanden.
Was die meisten als Camembert kennen – die kleinen weißen Scheiben aus dem Supermarkt – hat mit dem echten Camembert de Normandie kaum etwas zu tun. Der Original-Camembert wird aus roher Kuhmilch von Normandes-Kühen hergestellt, von Hand geschöpft und in der Normandie gereift. Er ist eine andere Welt.
Die Geschichte beginnt 1791, als die Bäuerin Marie Harel das Rezept von einem fliehenden Priester aus der Brie-Gegend erhielt. Napoleon III. machte ihn berühmt, als er den Käse auf einem Staatsbankett servieren ließ. Seitdem kennt ihn die ganze Welt.
Bei perfekter Reife ist das Innere vollständig cremig-fließend, fast wie Sahne. Die weiße Rinde duftet nach feuchter Erde und Champignons. Der Geschmack ist mild-würzig, nussig, mit einer langen butterigen Nachreife. Wer ihn zu früh isst – wenn das Innere noch fest und kreidig ist – verpasst das Erlebnis.
Kaufe den echten Camembert de Normandie AOP aus Rohmilch. Lass ihn bei Zimmertemperatur 30–60 Minuten atmen. Serviere ihn mit Baguette, einem Glas Cidre brut oder einem Glas Champagner.
Brie de Meaux
Am Wiener Kongress 1815 – als die Mächtigen Europas über die Neuordnung der Welt verhandelten – veranstaltete Talleyrand ein Käse-Turnier. Dreißig Käse aus ganz Europa traten an. Der Brie de Meaux gewann. Seitdem trägt er den Titel „König der Käse“.
Karl der Große aß ihn bereits im 8. Jahrhundert. Das ist keine Legende sondern steht in einer Chronik aus dem Jahr 774.
Der Brie de Meaux ist ein großer flacher Laib – bis zu 36 cm im Durchmesser. Bei perfekter Reife fließt das Innere cremig aus der weißen Rinde. Der Geruch ist intensiv nach Pilzen und Erde. Der Geschmack ist komplex: Butter, Nüsse, Champignons, leichte Säure. Ein vollständig gereifter Brie de Meaux Fermier aus Rohmilch gehört zum Besten was Käse bieten kann.
Den Brie nie kalt essen. Mindestens eine Stunde vor dem Servieren aus dem Kühlschrank nehmen. Ein junger Burgunder oder ein Champagner Blanc de Blancs ist der ideale Begleiter.
Roquefort
Roquefort ist nicht nur einer der bekanntesten Käse der Welt – er war auch der erste Käse überhaupt mit einem gesetzlichen Herkunftsschutz. Bereits 1411 erteilte König Karl VI. dem Dorf Roquefort-sur-Soulzon das exklusive Recht, diesen Käse herzustellen.
Die Legende seiner Entstehung: Ein junger Schäfer ließ Brot und Frischkäse in einer Höhle liegen, um einem schönen Mädchen nachzulaufen. Als er zurückkam, hatte der Käse blaue Adern entwickelt. Er probierte ihn – und war begeistert.
Heute reifen alle echten Roquefort-Laibe in den natürlichen Höhlen des Combalou-Massivs in Südfrankreich. Roquefort wird ausschließlich aus der Rohmilch der Lacaune-Schafe hergestellt. Weiß-cremige Masse, durchzogen von intensiven blau-grünen Schimmeladern. Der Geschmack ist intensiv-salzig, würzig und komplex.
Roquefort zu einem Sauternes – das ist eine der großen Geschmackspaarungen der Welt. Die Süße des Weins und die Salzigkeit des Käses ergänzen sich perfekt. Auch mit frischen Walnüssen und dunklem Honig ein Erlebnis.
Comté
Comté kommt aus dem Jura, dem Bergland zwischen Frankreich und der Schweiz. Im Mittelalter schlossen sich Bauern zusammen, weil kein einzelner Hof genug Milch für einen Großlaib hatte. Diese Genossenschaften – die Fruitières – existieren bis heute.
Ein Comté-Laib wiegt bis zu 55 Kilogramm. Für einen einzigen Laib braucht man die Tagesmilchleistung von etwa 30 Kühen.
Das Außergewöhnliche am Comté ist seine Komplexität. Er schmeckt nicht nach „einem Ding“ – er schmeckt nach allem gleichzeitig. Fruchtig, nussig, butterig, blumig, manchmal karamellig. Ein gut gereifter Comté hat kleine weiße Kristalle – Tyrosin-Aminosäuren, ein Zeichen langer Reifung. Sommer-Comté schmeckt fruchtiger, Winter-Comté ist würziger und nussiger.
Probiere verschiedene Reifegrade nebeneinander – 12, 18, 24, 36 Monate. Das ist das beeindruckendste Käse-Experiment das ich kenne. Dazu ein trockener Jura-Weißwein oder ein guter Chardonnay aus dem Burgund.
Époisses de Bourgogne
Napoleon soll ihn geliebt haben. Brillat-Savarin nannte ihn „König aller Käse“. Und wer ihn einmal gerochen hat, vergisst ihn nie – im wörtlichen Sinne.
Époisses wurde im 16. Jahrhundert von Zisterziensermönchen in der Abtei Cîteaux entwickelt. Im 20. Jahrhundert war er fast ausgestorben – bis Robert Berthaut ihn in den 1950er Jahren rettete. Ohne ihn gäbe es heute keinen Époisses mehr.
Die Rinde wird während der Reifung regelmäßig mit Marc de Bourgogne gewaschen – dem Tresterbrand der Weinregion. Das gibt dem Käse seine charakteristische orangerote Farbe. Der Geruch ist legendär intensiv. Aber das Innere ist mild: cremig, fast fließend, mit delikater Salzigkeit und langen Marc-Noten. Der Geruch täuscht – der Geschmack überrascht.
Époisses mit einem Burgunder Rotwein – am besten einem Gevrey-Chambertin – ist eine der klassischen Burgundischen Kombinationen. Oder einfach pur, mit Baguette und einem Glas Marc de Bourgogne.
Was diese fünf gemeinsam haben
Jeder dieser Käse hat eine Geschichte die Jahrhunderte zurückreicht. Keiner ist ein Zufallsprodukt – jeder ist das Ergebnis von Generationen handwerklichen Wissens, spezifischer Regionen und besonderer Tiere.
Das ist es was französischen Käse ausmacht: Er kommt aus einem Ort, von bestimmten Tieren, zu einer bestimmten Jahreszeit. Diese Verbindung zwischen Käse und Herkunft nennt man Terroir – und genau das kannst du im Glas schmecken.
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